Lisas Geschichten Zum Gästebuch  
  Am Weg zur Sonnleitenspitze  
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  Im Spätsommer sind die Tage merklich kürzer und nicht mehr so heiß. Fräulein Nasenzahn
hört von ihren Besuchen, daß sie auf die Berge gehen. Sie möchte auch einmal so einen hohen Gipfel besteigen. Bauer Franzl, der immer wieder kommt, um nach der Olga zu sehen, verspricht ihr einen zünftigen Bergtag.
Das Wetter ist super, das Fräulein steht vor Aufregung zeitig auf und wartet frisch, fix und bereit auf ihren Wegbegleiter. Da kommt Bauer Franzl angelaufen, doch was er zu sagen hat, bohrt ein Loch in die Gute-laune-wölkchen des Fräuleins : Er muß heute zu Hause bleiben, weil eine Kuh in kürze kalben wird. Das Fräulein hat sich sooo auf ihre Sonnleitenspitze gefreut, nun soll sie zu Hause bleiben ? Nie und nimmer! Sie meint zu ihrem verhinderten Begleiter:
"Den Weg finde ich auch allein, ich starte sofort." Sie schwingt sich auf ihr Fahrrad und ist bald am Parkplatz, von wo aus der Aufstieg beginnt.
Fröhlich und voll Kraft marschiert sie gipfelwärts. Die Sonne scheint spätsommerlich, doch bei den vielen Bergaufschritten kommt man trotzdem kräftig ins Schwitzen. Eine Trinkpause ist sinnvoll und stärkend. Fräulein Nasenzahn sucht sich einen Platz unter einem Felsdach .
Da spürt sie einen kalten Hauch am Arm und dreht sich um. Im Felsen ist ein Loch, aus dem es herauspfeift. "Vielleicht sind Fledermäuse da drinnen," denkt das Fräulein und betritt die Unterwelt. Dank der geborgten Halogentaschenlampe kommt sie gut in dem Gang zurecht. Es geht mal ums Eck, auch kein Problem und neugierig wird man schon, wo die Gänge hinführen. Sie merkt nicht, wie sie weiter und weiter in den Berg vordringt, die Zeit scheint langsamer zu laufen. Doch dann steht sie in einer Halle und ist überwältigt. Das muß das Schloß des Berggeistes Capricortulix sein. Tropfsteine hängen von der Decke,andere wachsen aus dem Boden,es glitzert an den Wänden, als wären sie mit Edelsteinen besetzt. Diesen Fund muß sie Franzl zeigen, denkt sie begeistert und macht sich auf den Rückweg. So leicht die Gänge am Hinweg zu durchkriechen waren, jetzt wird es auf einmal mühsam und alles sieht fremd aus. Wo ist das Licht vom Eingang ? Sie wird nervöser, sie wird unsicherer und am Ende weiß sie, nun muß sie sich ausruhen um danach mit klarem Kopf den Ausgang zu suchen. Sie rollt sich in Jacke und Anorak ein, vor Müdigkeit fallen ihr die Augen zu.
Inzwischen geht draußen der Nachmittag zur Neige. Die dinos lauschen angepannt, ob sie das Summen der Fahrradreifen hören und die Gipfelstürmerin endlich vor ihnen steht. Die Stunden tropfen dahin, da klopft es an die Tür. Es ist nur Bauer Franzl, der sich erkundigen will, wie die Sonnleitspitze gefallen hat. Auch er bekommt langsam Bedenken, von Fräulein Nasenzahn ist weit und breit nichts zu sehen und zu hören. Es wird für alle eine unruhige, qualvolle Nacht.
Im ersten Morgenlicht macht sich Franzl auf den Weg zum Gipfel. Nach einiger Zeit hört er hinter sich Tritte und eine lebhafte Unterhaltung. Er wundert sich, wer auch so früh dem Gipfel zustrebt und sieht 3 junge Burschen, die mit schweren Rucksäcken daherstapfen. "Wollt ihr am Gipfel Zelte aufstellen ?" fragt er im Spaß. Da erfährt er von den Burschen, daß sie ein anderes Hobby haben. Sie sind Höhlenforscher und wollen den großen Saal in der Sonnleitenhöhle genau vermessen. Bauer Franzl verabschiedet sich, er hat es eilig, den Gipfel zu erreichen.
In der Zwischenzeit ist das Fräulein wach geworden. Nachdem sie sich mit dem letzten Brot
gestärkt, der letzte Tee sie erfrischt hat, will sie wohlgemut den Ausgang suchen. Da wird die Halogenlampe schwächer und plötzlich steht sie fast im Dunkeln da. Sie erkennt, wie hilflos sie auf einmal ist und fängt leise zu schluchzen an. Ihre geliebten Tiere und Menschen ziehen im Geiste an ihr vorbei. Werden sie Hilfe bringen können ? Allein wird sie die Dunkelheit kaum verlassen können. Zum ersten Mal macht sie sich über ihren Leichtsinn Vorwürfe. Wie lange sie mit Grübeln und Selbstvorwürfen verbracht hat, weiß sie nicht mehr. Auf einmal hört sie Schritte, ein Licht irrt an der Wand entlang. Die Burschen stehen vor ihr und sind nun ihrerseits fassungslos. Sie führen Fräulein Nasenzahn ans Tageslicht. Der Weg ist gar nicht weit, wenn man sich so gut auskennt, wie die Höhlenforscher. Das Fräulein ist der glücklichste Mensch, als sie wieder in der Sonne steht. Die Burschen lassen sich von der abenteuerliche Nacht erzählen. Da kommt auch Bauer Franzl von der Spitze zurück. Unendlich traurig mußte er sich auf den Rückweg machen, nicht die kleinste Spur von Fräulein Nasenzahn hatte er entdecken können. Nun hört man richtig die Steine purzeln, die ihm vom Herzen fallen, als er sie munter vor sich sitzen sieht. Etwas kleinere Steine rollen den dinos von den Herzen. Sie sind jung und Abenteuer gehören zu ihrem Leben.
 
Kartoffellisa  
 
 
   
(C) 2005, Lisa Kluge