Lisas Geschichten Zum Gästebuch  
  Das Vermächtnis von Tante Adelheid  
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  Fräulein Nasenzahn hat viele liebe Menschen und Tiere um sich herum, aber keine Verwandten. Vor wenigen Monaten lebte noch Tante Adelheid. Als diese jünger war, besuchte sie gern den Park und half auch ihrer Nichte. Dann wurde sie müder und kränker, in letzter Zeit lebte sie nur noch als Schnabeltässlerin, d.h. sie zitterte so sehr, daß sie eine Schnabeltasse zum Trinken brauchte. Arme Tante Adelheid, doch nun ist sie tot.
Das Fräulein soll als einzige Erbin das Haus ausräumen und verkaufen. Viele fleißige Hände unterstützen sie dabei, nicht zuletzt sind die dinos am Durchsuchen interessiert. So ist eines Tages der Speicher an der Reihe. Beim Abdecken von Bücherstapeln, beim Öffnen der alten Truhen, wirbeln sie viel Staub auf. Sie müssen vorsichtiger ans Werk gehen, beschließen die drei. Deshalb lassen sie die Erwachsenen die grobe Arbeit verrichten, sie selber konzentrieren sich auf Döschen und Töpfchen, die sie genau untersuchen. Dabei finden sie kleine Kugeln, vielleicht sind es Gewürz, vielleicht Samen. Als der Arbeitstag zu Ende geht, denkt nur noch der blaue dino an den Fund und nimmt ihn vom Speicher mit herunter. Er wird auf die Hausbank gelegt. Am nächsten Tag hätte beinahe eine Amsel die Kügelchen aufgepickt. Deshalb vergraben die dinos den Doseninhalt flink in der Erde, an der Hauswand.
Monate vergehen, auf einmal wachsen Spitzen aus der schwarzen Erde. Das Fräulen wundert sich, will aber nicht gleich das Unkraut ausreißen. Als die dinos eines Tages Schokoladenpudding bei ihr essen, spricht sie über die Pflänzchen. Sofort wissen die drei, daß die Kügelchen gemeint sind, die sie im Boden vergraben haben. Es wird eine spannende Zeit, das Wachsen und Gedeihen der grünen Stiele zu beobachten. Die Besucher des Parks schauen immer erst neugierig zur Wand, ob man das Grünzeug schon benennen könnte. Die dinos gießen und pflegen ihre "Erbschaft" und sind mächtig stolz. Leider vergeht auch der schönste Sommer und die Herbstnächte werden kühler. Schnee und Kälte kann man so besonderen Gewächsen nicht zumuten, deshalb werden die prächtigen Bäumchen in Töpfe gepflanzt und überwintern im Keller beim Fräulein. Die dinos achten den Winter über, daß es ihren Zöglingen gut geht. Im Frühjahr bekommen die Bäumchen neue, sonnige Plätze. Sie werden buschiger und spenden herrlichen Schatten für Mensch und Tier.
Doch welchen Namen soll man ihnen geben? Alle räseln, bis eines Tages ein Botaniker den Park besucht. Ihm fallen gleich die einmaligen Stauden auf. Er untersucht die Blätter, riecht, befühlt den Stamm, weiß aber auch keine Antwort. Bevor er den Park verläßt, verspricht er den dinos, nächstes Mal mit einem dicken Buch wiederzukommen um die Namen zu finden. Und wirklich, nach nicht all zu langer Zeit steht der gescheite Mann wieder am Eingang. Er hat sogar einen Freund mitgebracht, der noch gescheiter ist als er. Gemeinsam können sie das Geheimnis lüften: Es sind Kamelhufbäumchen. Fräulein Nasenzahn erinnert sich, daß ihre Tante vor Jahren auf Zypern im Urlaub war und von besonderen Bäumen gesprochen hatte. Die Samen wären fast vergessen worden, hätten nicht die dinos sie aus dem Schlaf erweckt.
Die Bäumchen werden groß und kräftig. Es kommen viele Besucher in den Park und Fräulein Nasenzahn dankt im Stillen Tante Adelheid für dieses Vermächtnis.
 
Kartoffellisa  
 
   
(C) 2005, Lisa Kluge